Vortrag und Ausstellung vor der Deutsch-Indischen
Gesellschaft e.V. in Berlin April 2000
Dipl.-Informatiker Dieter Baumgarten e-mail post @ Dieter-Baumgarten.de Internet www.bharat.de
Münzgeschichte Indiens (Kurzfassung)
Europäische Eroberer
Egal, ob die Europäer zuerst als Händler kamen und dann ihre
Besitzungen mit Kolonialgewalt sicherten oder erst mit Gewalt Gebiete erobert
und dann Handel betrieben wurden, eines bleibt Ihnen allen gleich - die Ausgabe
von eigenen Münzen auf Grund ihrer
wirtschaftlichen oder politischen Macht. Es wurden mehr oder weniger indische
Landeswährungen zum Vorbild genommen um eine Akzeptanz bei den Indern zu
gewährleisten. Oft wurden die Münzen in indischen Prägestätten hergestellt,
aber auch eigene Münzen wurden errichtet. (Seit dem 15. Jahrhundert sind ca.
350 Münzstätten in Indien bekannt)
Portugiesisch 
Indien (u.a.
Goa/Damao/Diu - Westküste/Nord-Westküste)
Die Portugiesen (die sich nur in Goa seit 1510-1961 für
einen längeren Zeitraum niederlassen konnten) brachten Münzen nach ihren
eigenen Stil heraus (Initialen BC/CO, später Kreuz und Erdkugel, ab 1722
portugiesisches Wappen)
Ab 1881 wurde nur noch im portugiesischen Auftrag über
die britische Münze Geld geprägt.
Dänische Kolonie (u.a. Trankebar - Ostküste)
(1616 gegründet - 1845 an E.I.C. verkauft)


Die Dänen passten sich
zeitweilig den indischen Münzmaßen an (dicke Blei- und Kupfer-Käschmünzen).
Das Aussehen wurde aber stark
durch die dänische Krone geprägt ( dänisches Königsmonogramm und Wappen).
Niederlande (u.a. 1610-1784 Pulicat -
Ostküste)

Niederländer
haben sich seit 1610 in Pulicat niedergelassen. Zuerst stempelten sie
indische Münzen mit ihrem Monogramm (verschlungenes VOC). Ab 1615 prägten sie
im Fort Geldria (später auch in Negapatam und Madras) ihre eigenen Münzen im
indischen Stil (Pagoda, Fanam, Käsch), aber immer mit ihrem prägnanten
Monogramm VOC. Ständiger Geldmangel veranlasste die Niederländer (als einzige
Kolonialmacht) einfaches Kupferersatzgeld herauszugeben, Von Kupferstangen
wurden Scheiben abgeschnitten, Wert und Datum eingestanzt und als Bonks
(Klumpengeld) gehandelt. 1784 wurden die Münzstätten an die Britten abgetreten.
Franzosen (Pondicherry - Ostküste)

Die Franzosen die sich 1674 in
Pondicherry festsetzten und ihre Handelsgesellschaften unter der "Ewige Indiengesellschaft"
vereinten gaben die zuerst handgeschlagene Münzen nach indischem
Vorbild heraus, später mit Krone und eigenem Wappen (Kupfer- Doudous und Silber-Royalin).

Ab 1736 waren die Münzen aber
ganz im Stile des Moguln-Reiches (Rupien und Fanam bzw. Käsch). (Ab 1871 nur
noch Prägung in Frankreich)
Britische Kolonie


East India Company
1600-1857, Großbritannien 1858-1876, Krone 1877-1947
Mit Verträgen, territorialer
Gliederung, Privilegienverteilung, militärische Eroberungen hat seit 1600 die
East India Company und mit Unterstützung der Krone das Land beherrscht.
Die Company gab seit Anbeginn
ihre Münzen im Einklang mit lokalen Gestaltungen in großer Vielfalt heraus. In Bengalen (Kalkutta) wurden Münzen nach
Vorbild des Mogul-Reiches geprägt. In Südindien (Bereich Madras) orientierte
man sich mit Aussehen und Maßen an die südindische Pagoda und in Westindien
(Bombay) wurde im Moghul- und englischen Stil die Münzen gestaltet.
Zuerst wurden indische
Münzstätten genutzt, später aber auch eigene eingerichtet (über 25
Münzstätten). Im 19. Jahrhundert konzentrierte sich dann die Münzherstellung
auf Bombay, Madras, Kalkutta und Lahore. Übrigens hatten die Engländer nur in
einem Fall die Erlaubnis von indischen Herrschern eigenes Geld herauszugeben.
1717 vom Kaiser Farrukhsiyar für Mohur-Prägungen an der Bombay-Münze. Ansonsten
nahm sich die Gesellschaft auf Grund Ihrer wirtschaftlichen Macht und der
politisch-militärischen Unterstützung der Krone im Rücken, das Recht der
Münzprägung einfach heraus.
Englische Mustermünzen wurden an der Bombaymünze
geschlagen. Die Goldmünzen wurden Carolina, die Silbermünzen Anglina benannt,
die Kupfermünzen Cupperoon und die Zinnmünzen Tinny.
Bereits seit 1806 wurde in der Company intensiv über ein
einheitliches Währungssystem in den Besitzungen nachgedacht. 1830 waren die
Engländer die dominierende Macht in Indien geworden. 1833 wurden von der
Bombay-Präsidentschaft die in im Umlauf befindlichen Münzen verglichen (bengalische Sicca-Rupie, Bombay mit Sirat-Rupie,
Madras mit Arcot-Rupie) und bereits ein vergleichbares Muster für eine
einheitliche Rupie vorgestellt. . Zwei Jahre
später, sanktioniert durch India Act XVII, 1835, wurde eine einheitliche
Prägung für Britisch Indien hergestellt, die alle anderen im Umlauf
befindlichen verschiedenen Rupien ersetzte. Die angenommene Maßeinheit war ein silberner Rupie, genannt
COMPANY`S - RUPIE , sie wog Feingehalt
180 grains und enthält 11/12 reines Silber. Das Aussehen der neuen Prägungen
waren im wesentlichen Englisch. Ganz legal war die Einführung nicht, denn es
gab Vereinbarungen, dass die lokalen Regierungen bei der neuen Währung
mitbestimmen konnten. Sie wurden aber einfach übergangen und vor vollendete
Tatsachen gestellt.
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