Vortrag und Ausstellung vor der Deutsch-Indischen Gesellschaft e.V. in Berlin April 2000

Dipl.-Informatiker Dieter Baumgarten e-mail    post @ Dieter-Baumgarten.de  Internet www.bharat.de


Münzgeschichte Indiens (Kurzfassung)

 

 

Das einheitliche Münzsystem der Briten in Indien

Bereits seit 1806 wurde in der Company intensiv über ein einheitliches Währungssystem in den Besitzungen nachgedacht. 1830 waren die Engländer die dominierende Macht in Indien geworden. 1833 wurden von der Bombay-Präsidentschaft die in im Umlauf befindlichen Münzen verglichen (bengalische Sicca-Rupie, Bombay mit Sirat-Rupie, Madras mit Arcot-Rupie) und bereits ein vergleichbares Muster für eine einheitliche Rupie vorgestellt. . Zwei Jahre später, sanktioniert durch India Act XVII, 1835, wurde eine einheitliche Prägung für Britisch Indien hergestellt, die alle anderen im Umlauf befindlichen verschiedenen Rupien ersetzte. Die angenommene  Maßeinheit war ein silberner Rupie, genannt COMPANY`S - RUPIE , sie wog  Feingehalt 180 grains und enthält 11/12 reines Silber. Das Aussehen der neuen Prägungen waren im wesentlichen Englisch. Ganz legal war die Einführung nicht, denn es gab Vereinbarungen, dass die lokalen Regierungen bei der neuen Währung mitbestimmen konnten. Sie wurden aber einfach übergangen und vor vollendete Tatsachen gestellt.

 

Es war kein einfacher Weg die einheitliche Währung zu entwickeln. Technische Probleme mussten gelöst werden, Design-Fragen geklärt. Z.B. in welcher Sprache die Aufschriften erfolgen sollten. Es gab Entwürfe mit Latein, in Persisch, Hindi und Bengalisch. Für die Größe orientierte man sich am amerikanischen 1/2-Dollar-Stück mit annähernde Maße von 1,2 inch  (der Einfachheit halber wurden 1/10 Fuß festgelegt).

 

 

 

 

Als Bezeichnung wurde RUPIE (bereits 1539-1545 unter Shir Sha eingeführt) übernommen. Die Kupferstücke wurden Anna benannt

1 Gold-Mohur (1562 unter Akbar eingeführt 11g -170 grains, Feingehalt 980/1000)  entsprach 15 Silber-Rupies.

1 Silber-Rupie ergab 64 Kupfer-Pice bzw. 192 Pies (1/4-Anna-Stücke) 16 Anne=1Rupie). 1Pice=3 Pai/Pies

Die Silber-Rupie bestand aus  970/1000  Silber bei 11,534 g Rauhgewicht.

Pice/Paisa/Pies/Pesa waren in Südindien Kupferstücke in verschiedenen Maßen und Gewichten.  Das 1/4 Anna-Stück wurde die geläufigste Kupfermünze, umgangssprachlich als Pice bezeichnet. Für die Vorderseite wurde das Wappen der EIC genommen.

 

Einen hohen Anteil am allgemeinen Entwurf der einheitlichen Rupie hatte James Prinsep, Münzmeister der Münze von Kalkutta und Münzsekretärin im Münzausschuß. Der hauptsächliche Erfolg lag in der  Anpassung der vorhandenen kupfernen Währung an das neue Rupien-System.

Für mehr als 100 Jahre wurde ein Standard erschaffen.

 

Das Design für Gold- und Silbermünzen wurden wie folgt festgelegt:

Vorderseite: Der Kopf und der Name des britischen Herrschers.

Rückseite: Der Wert in Englisch und Persisch und die Wörter EAST INDIA COMPANY.

Die Feinheiten wurden dem Generalgouverneur im Rat überlassen. Er ordnete an, dass die Münzstempel das Jahr der Ära der Münzänderung (1835) darstellen sollte und nicht geändert werden bräuchte, bis eine neue Münze geschlagen wird. Für den Gold-Mohur entschied man sich für das Bildnis eines Löwen vor einer Palme (als Vorlage diente die Flaxman-Medaillie) Von 1835  bis 1840 fand daher keine Änderung im Design oder Datum auf den Gold- und Silbermünzen, die in dieser Periode geschlagen wurden, statt. Der Thron-Antritt von Königin Victoria 1837 so kurz nach der neuen Münzeinführung von 1835  führte zu Problemen in die Produktion der neuen Münzstempel für die Vorderseite. Die indischen Münzstätten waren bis 1940/41 für eine Umstellung noch nicht bereit. Daher wurde im Beschluß XXXI 1837  Teile des Beschlusses XVII, 1835, zum Thema Bildnis des Herrschers außer Kraft gesetzt. Erst ab November 1840 war man erstmals für eine Umstellung bereit und konnte per Proklamation ( 18.11.1840) die Wiederherstellung der Zustände vom Beschluß  XVII, 1835 verkünden. Eine neue Reihe Gold- und Silbermünzen trugen nun den Kopf und Titel "Queen Victoria". Auf allen Silberausgaben von 1841 bis 1858 (ausgenommen die 2 Annas von 1841) wurde das feste Datum von 1840 geprägt. Die Gold-Mohure hatten das feste Datum 1841.

 

Indien unter englischer Krone

Nach der Niederschlagung der Aufstände übernahm 1858 England die Regierung über Britisch Indien. Am 1.November 1858 endeten die offizielle Macht der East India Company, aber die Münzen wurden erst einmal in der gleichen Form herausgebracht bis 1862 die Regierungs-Prägung begann. Die Festlegungen wurden beibehalten. Nur das nun die Königin Victoria gekrönt dargestellt wurde und auch die Kupfermünzen das Bildnis der Königin erhielten. 1877 bekamen die Inder dann auch offiziell eine neue Kaiserin (Empress Victoria). Die Datierung der Münzen stimmte ab jetzt auch mit dem Ausgabejahr überein.

 

Edward VII folgte Königin Victoria und die herausgegebenen Münzen zeigten sein Bildnis (ungekrönt). Unter Edward VII wurden keine Gold-Münzen geprägt. Auch von den 1/2-Anna-Stücke gab es nur Probeprägungen.  Das Design  der Rückseite von den Silbermünze wurde geändert. Schrittweise wurden die Kupfermünzen ab 1904 durch etwas haltbarere Bronzeprägungen abgelöst.  Ab 1907 kamen 1-Anna-Stücke in Kupfer-Nickel-Legierung und gewellten Rand heraus. Auf diesen Münzen war das Bildnis Edwrads gekrönt.

 

 

Die Einführung von Münzen mit dem Bildnis Georg V begann mit einem peinlichen Fehler. Der auf Georgs Brust prangende Elefanten-Orden sah eher wie ein "Schwein" aus. Die sogenannte Schweine-Rupie wurde so schnell wie möglich wieder eingezogen (moslemischen Inder verachten das Schwein).  Die Gestaltung und Stückelung der Münzen  veränderte sich nur geringfügig. Die Ornamentik auf den  Silbermünzen lehnte sich wieder an ältere Muster an (jetzt Wert im Kreis). Die Prägung der 1-Anna-Stücke in Kupfer-Nickel wurden fortgesetzt. Die silbernen 2-Anna-Stücke wurden eingestellt und dafür 2-Anna in Kupfer-Nickel (viereckig) geprägt. 1919 bis 1920/21 wurden auch 4- und 8-Anna in Kupfer-Nickel geprägt. Sie setzten sich jedoch nicht durch.

 

1918 wurden noch einmal Goldmünzen geprägt (15 Rupies und 1 Sovereign = 1 Mohur) sie sollten aber die letzten sein, obwohl die Währung Mohur noch bis zur Einführung des dezimalen Währungssystemes 1957 gültig war.

 

 

 

Die Zeit von Georg VI war vom 2. Weltkrieg geprägt.  Bronzemünzen wurden nur bis 1942 geprägt. Sie wurden endgültig durch eckige bzw, gewellte Annastücke aus Nickel ersetzt. Zwischen 1942 und 1945 wurde versucht, die Nickel-Münzen (1/2, 1, 2 Anna) durch Nickel-Messing auszutauschen. Ab 1943 wurden die Silbermünzen nur noch mit einem Feingehalt von 500/1000 herausgegeben ("Quaternary Rupie")  und 1946 endgültig durch Nickel ersetzt. 

Die Rückseite dieser Silbermünzen wurde mit dem indischen Tiger gestaltet.

 

 

 

 

Zwischen 1943 und 1947 wurden 1 Pice-Stücke kreiert, Bronzestücke mit Loch in der Mitte. (geprägt u.a. auch in Lahore - heutiges Pakistan und in Pretoria - Südafrika.)

1947 erhielt Indien seine Freiheit, aber es dauerte noch 3 Jahre, bevor Indien wieder seine eigenen Münzen herausgab. Die englischen Münzen waren in dieser Zeit noch gültig (frozen "eingefrorene" Serie).

 

 

Indische Fürstentümer

Mit schrittweisen Untergang des Mogul-Reiches im 18. Jahrhundert kamen viele Gebiete Indiens unter unabhängiger Herrschaft von Maharadschas. Aber sie schafften es nicht, sich gegen die Engländer zu vereinen. In der Abhängigkeit von England, gesplittet in viele Ländereien hatten sie aber noch teilweise Rechte eigenes Geld herauszugeben und das waren immerhin noch 100 von den 500 registrierten Fürstentümer vor der Unabhängigkeit.( u. a. Jammu and Kashmir, Hyderabad, Gwalior), manche größer als England. Können Sie sich die Vielfalt der Münzausgaben vorstellen ?  Viele kleine Staaten versuchten sich nach Mogul-Vorbild, englischer Richtung oder südindischen Münzbeispielen zu richten. Immer stärker dominierte aber das britische Münzsystem. Aber es gab auch einige Prinzen bzw. Maharadschas, die reicher waren als die englischen Könige und deren Währungen waren bis zur Unabhängigkeit 1947 anerkannt.

 

 

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